Wissenschaftlich untermauert: Akupunktur schafft Lebensqualität

Akupunktur hat sich in der Onkologie fest etabliert und kommt vor allem für die Behandlung von Nebenwirkungen klassischer Krebstherapien wie Bestrahlung und Chemotherapie zur Anwendung. Zahlreiche Studien weisen nach, dass diese in der Schweiz am häufigsten angewandte TCM-Therapie messbare Erfolge bringt.

Eine Auswahl von Studienergebnissen:

Begriffserklärung:
«Randomisiert» bedeutet, dass die Zuordnung der Studienteilnehmenden zu den Testgruppen nach dem Zufallsprinzip erfolgt.
«Verblindete Studie» bedeutet, dass die Teilnehmenden nicht wissen, welche Behandlung sie erhalten.

Erbrechen nach Chemotherapie CINV (Chemotherapy-induced nausea and vomiting)

National Institutes of Health Consensus Development, USA

Randomisierte Studien zur Wirksamkeit verschiedener Behandlungen gegen Erbrechen bei intensiven Chemotherapien unter Einbezug von Elektroakupunktur, Minimal Needling, simulierter elektrischer Akupunktur und alleiniger medikamentöser Behandlung.

Durchführung: März 1996 bis Dezember 1997 Probanden: 100 Patientinnen mit erhöhtem Brustkrebsrisiko

Quintessenz

Die Behandlungen mit Elektroakupunktur zur Vorbeugung von Erbrechen zeigten sich gegenüber den anderen Behandlungsformen überlegen. Behandlungen mit Minimal Needling waren wiederum effektiver als die reine Medikamententherapie.
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Krebsbedingte Erschöpfung bei Patientinnen mit Brustkrebs

Cancer Survivors University of Manchester, UK

Randomisierte Studie zur Wirksamkeit von Akupunktur bei körperlicher, geistiger und seelischer Erschöpfung (Fatigue) von Brustkrebs-Patientinnen nach abgeschlossener Chemotherapie.

Zum Studienbeginn definierten die Teilnehmerinnen ihren Erschöpfungsgrad auf einer Skala von fünf bis zehn Punkten. Allen Teilnehmerinnen wurde eine Informationsbroschüre zum Thema übergeben. Die der Interventionsgruppe zugeteilten Patientinnen durchliefen über 6 Wochen 6 Akupunktursitzungen zu je zwanzig Minuten. Die Kontrollgruppe erhielt lediglich eine Standardbehandlung.

Durchführung: 2012 Probanden: 300 Patientinnen mit Brustkrebs im Stadium I, II und IIIA

Quintessenz

Die mit Akupunktur behandelten Teilnehmerinnen bewerteten ihren Erschöpfungsgrad nach Abschluss der Therapie um 3 oder mehr von insgesamt 10 Punkten niedriger als zu Beginn der Studie.
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Kognitive Beeinträchtigungen durch Chemotherapien (Chemobrain)

Hongkong University

Verblindete randomisierte Studie zur Wirksamkeit der Elektroakupunktur in Verbindung mit klassischer Akupunktur (EA/TNS + BA) gegenüber minimaler Akupunktur (MAS) zur Stimulation des Trigeminusnervs bei Brustkrebspatientinnen nach Chemotherapie.

Der Trigeminusnerv ist zuständig für sensorische Wahrnehmungen und motorische Abläufe. Chemotherapien führen sehr oft zu Störungen dieser Funktionen.

Die Auswertung der Studie erfolgte auf der Basis des MoCA-Tests, mit dem sich die Aufmerksamkeitsfunktion und das Arbeitsgedächtnis messen lassen.

Durchführung: Oktober 2015 bis Dezember 2018 Probanden: 93 Patientinnen mit Brustkrebs

Quintessenz

Die mit EA/TNS + BA behandelte Gruppe schnitt in den Wochen 2 und 8 in Tests des Arbeitsgedächtnisses deutlich besser ab als die mit MAS behandelten Teilnehmerinnen. EA/TNS + BA reduzierte ausserdem die Häufigkeit von Durchfall, Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen, Angstzuständen und Gereiztheit deutlich und bewirkte eine generelle Zunahme der Lebensqualität sowie eine Verbesserung des sozialen, familiären und emotionalen Wohlbefindens im Vergleich zu MAS.
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Xerostomia (strahleninduzierte Mundtrockenheit)

MD Anderson Cancer Center, USA / Fudan University Shanghai Cancer Center International, RCT

Randomisierte klinische Studien zur Untersuchung der Wirkung von echter und Scheinakupunktur auf strahleninduzierte Mundtrockenheit (Xerostomia) bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren nach Abschluss einer Bestrahlungstherapie.

Durchführung: Dezember 2011 bis Juli 2015 Probanden: 339 Teilnehmende im Alter von 21 bis 79 Jahren

Quintessenz

Nach 12 Monaten berichteten die Patienten, die sich einer Akupunkturbehandlung unterzogen, über signifikant weniger strahleninduzierte Mundtrockenheit als die Patienten der Kontrollgruppe mit Standardbehandlung respektive Scheinakupunktur.
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Schmerzen, Neuropathie, Müdigkeit, Hitzewallungen, Übelkeit

Zusammenfassung der Konferenz des National Cancer Institute NCI, Rockville, USA

Symposium «Acupuncture for Cancer Symptom Management», 16./17. Juni 2016

Die Studien namhafter Forschender weisen nach, dass Akupunktur standardisierten Behandlungen deutlich überlegen ist.

Arthralgie

Östrogensenkende Medikamente (Aromatesehemmer) lösen bei vielen überlebenden Brustkrebspatientinnen Gelenkschmerzen (Arthralgie) aus. Eine randomisierte klinische Blindstudie untersuchte die Wirkung von Akupunktur im Vergleich zu Scheinakupunktur.

Quintessenz:

Behandlungen mit Akupunktur führten zu einer signifikanten Verringerung von Gelenkschmerzen und Steifheit, die bei Scheinakupunktur nicht festgestellt werden konnte.

Periphere Neuropathie als Folge von Chemotherapien

Periphere Neuropathie bezeichnet die Schädigung der ausserhalb des Gehirns und des Rückenmarks verlaufenden Nervenstränge. Im Rahmen einer Pilotstudie wurden 27 an Knochenkrebs leidenden Patienten über zehn Wochen mit Akupunktur behandelt.

Quintessenz

Die Therapie brachte eine deutliche Verbesserung der neuropathischen Schmerzen und der Funktionsfähigkeit der Nerven.

Müdigkeit und Erschöpfung

In der bisher grössten randomisierten klinischen Studie mit Brustkrebspatientinnen wurden sechs Akupunktursitzungen mit einer erweiterten standardisierten Behandlung verglichen. Die Messungen erfolgten mit dem Multidimensional Fatigue Inventory (Fragebogen mit 20 Fragen).

Quintessenz

Akupunktur in Verbindung mit der üblichen Behandlung führte zu einer deutlichen Verringerung der Erschöpfung.

Hitzewallungen

Eine gross angelegte randomisierte klinische Studie untersuchte die Wirkung von Akupunktur im Vergleich zu einer verbesserten üblichen Behandlung.

Quintessenz

Die Behandlung mit Akupunktur reduzierte die Hitzewallungen und verbesserte die Lebensqualität in vasomotorischen, physischen und psychosozialen Bereichen.

Übelkeit und Erbrechen

Ein Cochrane-Review aus dem Jahr 2006 fokussierte sich auf die Wirkungen von Elektroakupunktur und klassischer Akupunktur. (Cochrane: Internationales unabhängiges Netzwerk im Gesundheitswesen)

Quintessenz

Akupunktur mit zusätzlicher elektronischer Stimulierung der Nadeln (Elektroakupunktur) reduziert die Häufigkeit von akutem Erbrechen, während die klassische Akupunkturbehandlung bei Übelkeit wirksam ist. 
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